Achtsamkeit verlorene Bedeutung oder wiederentdeckter Wert?

Die Bedeutung des Wortes Achtsamkeit hat sich im Laufe der letzten Monate zu einem regelrechten Modewort entwickelt. Ein Grund ist wohl darin zu sehen, das (wieder einmal) ein Meditations-Boom versucht die Gesellschaft zu erfassen. Wenn man jedoch diesen, doch leicht esoterisch modischen Anflug beiseite schiebt, kommt man nicht umhin, über die Bedeutung des Wortes nachzudenken. Tatsächlich, so lehrt die gesellschaftshistorische Geschichte, wurde der Achtsamkeit in früheren Zeiten wesentlich mehr Bedeutung beigemessen. Damit diese Tugend, so altbacken dieser Ausdruck auch klingen mag, nicht wieder in Vergessenheit gerät, lohnt es sich darüber nachzudenken, welche Dinge, Menschen, Tiere und vieles andere mehr, vorsichtige Beachtung und den Umgang damit verdienen. Denn genau das bedeutet es achtsam zu sein. Mit Dingen, Situationen und vor allem mit lebenden Wesen sorgfältig umzugehen.

Die moderne Zeit als Herausforderung für mehr Achtsamkeit?

Achtsamkeit ist nicht vor allem deswegen in Vergessenheit geraten, weil wir es verlernt haben mit den Dingen, Menschen und anderen Lebewesen die unser Leben ausmachen, gebührend umzugehen. Achtsamkeit erfordert ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit, Zeit und Hinwendung. Sie sieht nichts als garantiert an. In einer Zeit in der der Terminkalender, das Smartphone und der vieles andere mehr, wichtiger geworden sind als alles andere, haben wir vergessen, warum etwas wert ist beachtet zu werden. Beachtet zu werden, auf eine uns ihm zugewandte respektvolle Art und Weise. Wir beachten die Dinge die wir tun, unsere Beziehung zu anderen Menschen, insbesondere die zu unserer Familie und unseren Freunden nicht mehr als etwas, das beachtet und gepflegt werden will. Wir behandeln sie nach dem Motto: »Hauptsache es funktioniert!« Ein Leitspruch, der ganze zwei Generationen im Griff hatte. Beachtet, im Sinne das man es mit einer aufmerksamen Wertschätzung betrachtete erlaubte diese Art des Lebens gar nicht. Erst jetzt, beim Einsetzen der sogenannten New Work Bewegung, findet man wieder zu einem jener Lebens,- weil geänderten Betrachtens-Weise die uns erlaubt die Dinge die wir tun, die wir haben, die Menschen die uns umgeben mit der ihnen zustehenden Zuwendung zu betrachten. Der Gewinn denn man daraus zieht, ist um ein Vielfaches größer weil er nicht nur die eigene Person in den Mittelpunkt des Lebens sieht.

Achtsamkeit, Beachtung und Betrachtung

Man muss nicht gleich in ein tibetanisches Kloster eintreten, um Achtsamkeit wieder zu erlernen. Denn, abgesehen davon das man in den buddhistischen Meditationen hauptsächlich lernt sich auf das Nichts zu konzentrieren, mit dem Ergebnis das man Nichts erhält, erreicht man die Fähigkeit des »Achtsam-Seins« ganz einfach dadurch das man mit mehr Zeit an »die Sache« herangeht. Sei es der Job, die eigenen Kinder oder einfach das man das Essen wieder einmal genießt, anstatt es hinter sich zu bringen, nur weil der nächste Termin schon wartet. Achtsamkeit ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Tugend. Tugenden aber verlangen nach Gewohnheit. Wendet man sich einer Sache (die es wert ist) genügend Aufmerksamkeit zu, sieht auch das Resultat anders aus. Ein weiteres Ergebnis dieser neuen alten Tugend ist das, dass man das was das eigene Leben ausmacht, mit anderen, eben achtsamen Augen betrachtet.