Coaching ist generell eine Form der Beratung und des Trainings. Es gibt hierbei sehr unterschiedliche Methoden, die sich nach dem Ziel, dem Thema bzw. der Branche und nicht zuletzt nach dem Konzept unterscheiden. Bezüglich des Konzepts konnte sich die Methode des systemischen Coachings etablieren.

Was bedeutet beim Coaching “systemisch”?

Zwischen Individuen und ihrer Umwelt bestehen komplexe Wechselwirkungen. Diese können beim Coaching mehr oder weniger stark berücksichtigt werden. Das ist nicht unbedingt zwingend, denn wenn wir uns etwa das Coaching eines Offiziers vorstellen, so muss diese zwar in militärischen Zusammenhängen denken, aber er muss keinesfalls auf alle Befindlichkeiten seiner Soldaten Rücksicht nehmen: Diese haben Befehle zu befolgen. Auch in manchen Industriebetrieben herrschen straffe Hierarchien und quasi-militärische Strukturen. Diese sind manchmal nötig, wenn es beispielsweise um das Umsetzen von Anordnungen für die Anlagensicherheit geht. Beim systemischen Coaching allerdings werden die komplexen psychologischen Beziehungen in einer sozialen Gruppe und in Netzwerken systemisch und ganzheitlich betrachtet. Wer diese Beziehungen richtig versteht und sie beeinflussen kann, wird unter anderem Gruppen von kreativen Mitarbeitern sehr gut führen. Diese Art von Coaching eignet sich für Manager, die viel mehr motivieren als Befehle erteilen müssen. Manchmal können sie – etwa als Vertriebschef von freiberuflichen Handelsvertretern – gar keine Befehle erteilen. Die Freiberufler arbeiten freiwillig, wenn sie motiviert sind. Das Coaching heißt “systemisch”, weil sich die komplexen Beziehungen der Akteure untereinander in Systemen darstellen lassen. Der Coach vermittelt, wie ein Manager diese Systeme durchschaut und für seine Führungsrolle nutzt.

Lebensumfeld des Coachees im systemischen Coaching

Der Coachee – die gecoachte Person – ist in den eigenen Handlungen vom persönlichen (auch privaten) Umfeld sowie von ganz persönlichen, privaten Zielstellungen abhängig. Das können beispielsweise finanzielle Ziele sein. Die Frau des gecoachten Managers erwartet das dritte Kind, er braucht nun ein Haus und dafür ein höheres Einkommen. Zu diesem Zweck muss er den Umsatz der ihm anvertrauten Vertriebsmannschaft im nächsten halben Jahr um mindestens 30 % steigern. Der systemische Coach bezieht auch dieses Lebensumfeld mit ein. Das bedeutet: Der Coachee ist selbst ebenfalls ein System für sich, das es richtig zu deuten gilt. Systemisches Coaching operiert prinzipiell mit Systemen. Ein Teilbereich ist systemisches NLP (Neurolinguistisches Programmieren). Hier haben sich Standardfragen für den systemischen Ansatz etabliert:

  • Umfeld und Ökologie: Umgebungsanalyse, Frage nach der Beteilung von Akteuren am Problem und dessen Lösung, Frage nach der eigenen Umfeldbeeinflussung
  • Ressourcen und Unterstützung: Wer kann unterstützen, wer wird behindern? Welche Vorbilder und Rollen gibt es? Wie sind die materiellen Ressourcen beschaffen?
  • Rolle und Identität: Selbstbild, Fremd-Selbst-Bild, Bewertung der eigenen Position

Arten von Systemen im Coaching

Der Manager bewegt sich in einem externen System, doch er verfügt auch über ein – siehe oben – internes System. Das sind seine Ziele, die sich aus seinem psychischen Vertrag (durch die Eltern und andere Vorfahren) ergeben, des Weiteren seine Ausbildung und Intelligenz. Sowohl die externen als auch die internen Systeme weisen eine Eigendynamik auf. Das systemische Coaching beachtet diese Gesetzmäßigkeiten und vermittelt dem Coachee Strategien, wie er damit angemessen und zielgerichtet umgehen kann.